Waadschib  واجِبٌ  verpflichtend

 

 

Waadschib واجِبٌ bedeutet im hanifitischen Madhab eine Verpflichtung, die aber nicht farḍ ist; in den anderen Madhaahib gibt es keinen Unterschied zwischen Farḍ und Waadschib. 

 

 

Waadschib  in Bezug zu Allah bedeutet etwas Wesentliches, wie etwa Seine Eigenschaften (Ssifaat); wenn ein Muslim dieses leugnet bedeutet dies Unglaube (Kufr).

Waadschib  in Bezug zu menschlichen Handlungen ('Amaal) bedeutet, dass sie verpflichtend sind und deren Unterlassung eine Sünde ist, jedoch wenn sie ein Muslim leugnet er nicht zum Ungläubigen (Kaafir) wird.

 

 

Waadschib  واجِبٌ  in Bezug zum Ssalaah ist eine Verpflichtung; der wesentliche Unterschied zwischen Farḍ und Waadschib besteht darin, dass im Ṣsalaah, wenn etwas was farḍ ist– z.B. Sadschdah – ausgelassen wird, das Gebet faasid (ungültig) wird. Wenn jedoch etwas waadschib – wie die Faatihhah – ausgelassen wird, wird das Gebet nicht faasid, sofern Sadscdah as‑Sahuu zum Schluss gemacht wird.

 

Nach Imaam Abuu Hhaniifah sind Handlungen, welche im Qur'aan gefordert sind, farḍ. So ist etwa  die Niederwerfung (Sadschdah) im Ritualgebet (Ssalaah) eine Pflicht (farḍ). Wer eine Farḍ leugnet wird zum Kaafir (Ungläubigen). Das was vom den Gesandten Allahs angeordnet wurde ohne dass es wörtlich im Qur'aan steht - das gilt als "waadschib", wie etwa das Rezitieren (Qiraa't) einer weiteren Surah nach dem Reziteren der Surah Al Fatihha im Ssalaah. Wenn ein Muslim diese Waadschib-Pflicht leugnet, wird er dadurch nicht zum Ungläubigen (Kaafir), doch sein Ssalaah ist ungültig, sofern er nicht deshalb ein extra Sadschah nach dem Salaam hinzufügt.

 

Im malikitischen, hanbalitsichen und schaafiitischen Rechtschule (Madhaahib) wird zwischen Waadschiib und Farḍ nicht unterschieden.

 

 

 

 

Kann Sunnah  سنة  zu Waadschib  واجِب  werden?

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Nein, sofern Sunnah nur als Rechtskategorie (Ahhkaam) verstanden wird. Ja, sofern der Sunnah zu folgen spirituell,  als Nutzen für den Saalik (spiritueller Wanderer) verstanden wird - insbesondere dann, wenn es sich um eine Sunnah Muakkadah handelt. So ist etwa Tdahaarah (rituelle Reinheit) den Tag über zu erhalten eine Sunnah Muakkadah, die rechtlich gesehen nicht verpflichtend ist. Für den Saalik (spiritueller Wanderer) aber, kann diese Sunnah zu waadschib (verpflichtend) werden damit er seinen spirituellen Pfad nicht aus den Augen verliert. Jede Sunnah ist eine Hilfe auf dem spirituellen Weg, wenn gleich sie zu befolgen wie glühende Kohlen in der Hand erlebt werden kann und soziale Reibungen mit Folgen hervorrufen kann. Das Selbe gilt etwa für das Tragen einer Kopfbedeckung (vorzüglich Turban), welche - rechtlich gesehen - eine Sunnah Muakkadah ist, doch für den Saalik kann sie waasdschib sein.

Im Anpassungswahn an die Gebräuche Ungläubiger haben sich viele Muslime gänzlich einer Kopfbedeckungen beraubt und das nicht nur auf der Strasse, sondern auch während dem Ritualgebet. Kulturisten liefern dafür als Rechtfertigung unsinnige Argumente: "Die Kleidung von Rasuulullahs sei ja nur arabische Kultur von damals gewesen und daher keine Sunnah und es ist deshalb falsch, Rasuulullahs in seiner Kleidung nachzuahmen; auch die Feinde des gesandte Allaahs habe Turban getragen". Aus Sicht der dieser Kulturisten wäre es Sunnah, sich der jeweiligen lokalen Kleidung anzupassen, denn Rasuulullah hätte ja auch die selbe Kleidung getragen wie seine Feinde in Makkah. Dieser philosophische Unsinn ist so, als ob Allah nicht bestimmt hätte, wo und wie der Gesandte Gottes lebte, welche Kleidung er trug und welche Sprache er sprach. Als Muslim interessiert man sich was der Gesandte Allahs machte, nicht was seine feinde machten.  Ahlu-s-Sunnah wa-l-Dschama'a und insbesondere die Saalikiin unter ihnen, nahmen keineswegs irgendeine "arabische Kleidung" nach, sondern die Kleidung von Rasuulullahs soweit dies ihnen möglich ist und das gilt besonders für das Verhalten des Gesandten Allahs und die arabische Sprache, obwohl seine Feinde auch Arabisch sprachen und gastfreundlich waren usf.. In den Ländern, wo Muslime früher die Herzen der Ungläubigen öffneten wurde alsbald die lokale Kleidung von den lokalen Konvertiten der Sunnah angepassr und nicht umgekehrt, wie das heute in Europa geschieht, wo sich Muslime zwecks "Integration" dem Lebensstil Ungläubiger anpassen und die Sunnah verlassen. Wenn frühere Gelehrte von der Anpassung der Kleidung  in anderen Gebieten sprachen, dann war damit die Anpassung der Kleidung an die dort lebenden Muslime - welche der Sunnah folgten - gemeint, denn Muslimen wurde es nicht erlaubt nach Daar-ul-Kufr auszuwandern um dort zu leben. Dass Äußeres ist nicht getrennt vom Inneren; der Luftballon platzt wenn man hinein sticht.   Muhhammad Abu Bakr Müller