Handelsskulptur 7.8.1993 / 1414
Ausstellungskatalog - Kunsthalle Kiel | 299 x 215 x 9 mm | mit nachfolghendem Text und Daten - (ein Photo der Handelsskulptur fehlt in diesem Katalog, so dieses erst nach der Drucklegung gemacht werden konnte. | Kiel 1414 (1993)
. Der Objektbezogene Begriff Handelsskulptur ist der Vorläufer des Handelsprojektes und damit möchte ich Sie vorerst kurz beschäftigen, notwendigen falls genauer. Die Handelsskulptur bezieht sich grundlegend auf die formale Einmaligkeit aller erzeugten Gegenstände und einen Bewusstseinszustand, welcher Gegenstände als Skulpturen erscheinen lässt. Skulpturen im Sinne eines Heraus-Geschnitten-Seins (sculpure), aus einem vorgefundenem Material mit dem inhaltlichen Aspekt des Handelbaren. Die doppelte Bedeutung des Wortes HANDEL, womit einerseits der wirtschaftliche Aspekt und andererseits die HANDLUNG, Aktion im weitesten Sinne gemeint ist, tritt mit dem Wort Skulptur in Assoziation und deutet insofern auf die Dauerhaftigkeit von Handlungen, die sich wie Gegenstände (Skulpturen) in einem unsichtbaren geistigen Raum lebenslang anhäufen. Das Herausschneiden der Worte aus der vorgefundenen Wortsubstanz ist nahe der Essenz der Handelsskulptur, wodurch auch ein ursprünglicher Zusammenhang des geschichtlichen Verständnisses transzendiert wird. Das grobstoffliche Erscheinungsbild (Teppich) ist nur das oberflächliche Medium zur Kommunikation. Der Gebrauchsgegenstand stellt sich als Informationswert dar. Seine Lagerung als Qualität. Die Form und Absicht zur Benützung ist Angelegenheit der Wahrnehmung der Besitzer. Materiell und geistig, wenn es getrennt sein soll. Der Handel als ästhetisierte, reflektierte Vorgangsweise und die ABSICHT als erkennbar kleinster Wertgegenstand des Handelns. Technisch betrachtet verwende ich als Medium handgeknüpfte Teppiche in höchster traditioneller Qualität. Der Unterschied liegt nur im kompromisslosen "Muster", welches eine fortlaufende Zahl ist und der einzelne Teppich sich dadurch selbst als einmalig identifiziert. Diese eingeknüpfte, den Teppich dominierend gestaltende Ordnungszahl ist die konsequente Fortsetzung meines ca. 20-jährigen Arbeitsverzeichnisses und dient der Kontrolle unterschiedlicher Aspekte, bzw. reflektiert den Traum von guter Kontrolle über eine angenommene Ordnung. Die Frage nach welchem Ordnungsmaß und wessen Kontrolle bleibt hier bewusst offen. Ausgehend von diesen Basisüberlegungen gibt es eine größere Anzahl von Detailaspekten und Ereignissen im praktischen Umgang mit dieser Handelsskulptur, die ich jetzt nicht alle anführen kann oder möchte. Einige Beispiele seien jedoch erwähnt: die Verwendung des Computers zur maschinellen Zeichnung der Knüpfvorlagen als Diktat zur Handarbeit; die Spiegelung der Ausbeutung; das Verschwinden der Künstleridentität in,- oder mit Hilfe einer Marktordnung; das Verknüpfen von östlichen und westlichen Traditionen; die Hinterfragung von Kunstwert und Handelswert; die bürokratische Dokumentationsanhäufung von kunsttheoretischen Ansichten der Zollinspektoren bis hin zum harmonisierten System des Europäischen Marktes und der Steuerbehörden sind Beispiele von Bestandteilen dieser Handelsskulptur; usw.
Kostenberechnung . Diese Handelsskulptur beruht auf einem Quadratmeterpreis von 3.800.- DM. Bei Ankauf einer Zehner-Serie der Handelsskulptur verringert sich der Preis um 40% und bei Ankauf der gesamten Dreißiger-Serie Serie verringert sich der Preis um 50%. Alle Berechnungen nach Planmaßen. Naturmaße sind zumeist wenige Zentimeter größer. Die Preise sind ohne Mehrwertsteuer angegeben.
DATEN der HANDELSSKULPTUR HBN NR:4300-4329 (in Planmaßen)
Wirtschaftliche Aspekte
Das Handelsprojekt besteht aus verschiedenen Werkstätten. Ein Beispiel ist die Sophie Babel Teppichwerkstatt, welche handgeknüpfte Teppiche in höchster Qualität herstellt. Die technische Besonderheit liegt jedoch im Vermögen der digitalen Vorlagenerstellung, wodurch auch komplizierte Einzelstücke relativ schnell in Produktion gehen können. Jeder Mensch trägt eine Reihe von bewußten und unbewußten Werkstätten in sich; zum Teil entstehen grobstoffliche Manifestationen. Das Handelsprojekt ist ein Gleichnis. Den Begriff Handelsskulptur benützte ich auch als Gleichnis für bewußt erfasste Gegenstände des Handels. Gegenstände mit denen ein Handel beabsichtigt ist sind anders zu betrachten als solche mit denen kein Handel beabsichtigt ist. Handel ist eine Art der Handlung. Der den Dingen beigemessene Wert liegt in den Seelen der Menschen. Ein Bleistift, eine Torte, eine Blutkonserve, ein Auto oder ein Teppich sind jeweils eine Handelsskulptur; genau genommen dann, sobald der Handel mit dem Gegenstand beabsichtigt ist. Die ganze psychologische Dekorationskette des Handelns gehört dazu. Allgemein haben solche Gegenstände zwei Aspekte: Die Beschaffenheit und die ihnen angemessene Bedeutung. Diese Aspekte sind vorhanden und nicht abzuwenden. Wenn jedoch die Bedeutung eines derart wahrgenommenen Gegenstandes im Herzen des Wahrnehmenden über seine Benutzbarkeit hinausgeht, wird das Anmessen der Bedeutung Nährstoff einer Krankheit, welche Materialverehrung heißt. Diese Krankheit wird dann mit verschiedensten Namen verniedlicht oder gar gepriesen. Wenn andererseits die Benutzbarkeit eines Gegenstandes im Herzen des Wahrnehmenden über die Bedeutung hinausgeht, dann wird das Benützen zum Nährstoff einer Krankheit, welche Egoverehrung heißt. Diese Krankheit wird dann ebenfalls mit verschiedenen Namen verniedlicht oder gepriesen. Die Namen der Verniedlichungen sind immer diejenigen welche gerade benützt werden um die Einheit Gottes bewußt oder unbewußt zu leugnen.
Teppichwerkstatt Es gibt drei Kategorien von Teppichen. Alle werden von den selben Arbeitern mit dem selben Material und der selben Sorgfalt geknüpft. Der Unterschied ist nur konzeptionell, also im Sinne der Anmaßung einer Bedeutung. Ähnlich einem Glas, welches einmal mit Wasser, einmal mit Öl und einmal mit Mehl gefüllt wird.
Traktat Im Sinne der Benutzbarkeit eines Gegenstandes des Handels gibt es keinen wirklichen Anlaß das eine oder andere Muster in den Teppich zu knüpfen. Die die hohe Qualität der Arbeit und des Materials und die Funktion der Isolierung sind genug. Die angemessene Bedeutung liegt nur in der Absicht der Ordnung und des Handels. Die Ordnungsnummer, der Firmenname und der Produktname sind das geknüpfte Teppichmuster. Die Kontrolle der Produktion, des Handels und der Lagerhaltung sind in der geknüpften Nummer symbolisiert; ähnlich den Nomaden die einst ihre Lebensumstände im Muster verarbeiteten. Buchhaltung und Gegenstand in einem.
Unikat Die geknüpfte Ordnungsnummer ist ein Bestandteil neben anderen Gestaltungselementen. Gestalterisch fast überflüssig. Ein beliebiges Teppichmuster kann den Hintergrund ersetzen. Die Ordnungsnummer (Hauptbuchnummer) ist wie eine Fahrgestellnummer. Sie dient als Erkennungszeichen. Bei Bestellungen kann man sich daruf berufen. Das Modell kann wiederholt werden und die Nummer kann ausgewechselt werden wodurch ein Unikat entsteht.
Wunschteppich Zum Beispiel wünscht sich Herr Müller einen Teppich nach einer bestimmten Vorlage. Der Teppich wird dann mit unsichtbarer Ordnungsnummer geknüpft. Die Anmaßung der Bedeutung hat der Auftraggeber mit seinem Wunsch übernommen.
ERKLÄRUNGEN ZU DEN BEGRIFFEN:
HANDELSPROJEKT & HANDELSSKULPTUR
Absichten (Knoten) sind die kleinsten erfaßbaren Teile einer Handelsskulptur (= Manifestation einer Handlung vor and nach dem Tod; sculpere = herausschneiden; jede Tätigkeit ist ein Herausschneiden aus den geschaffenen Möglichkeiten bis in die geistigen Bereiche; allgemein auch ein handelbarer Gegenstand = z.B. Teppiche) and sind jeweils mit einer im Herzen gelegenen Realitätswahrnehmung programmiert. Zwei einfache, sprachlich komprimierte Versionen zur Definition dieser Realitätswahrnehmungen sind im europäischen Umlauf and es gibt prinzipiell nichts dazwischen. Die erste dieser Definitionen (Kulturgrundlage) ist richtig (= zum Ziel führend) and die zweite falsch (=in die Irre führend) and hat entsprechend ihrer Falschheit Unterversionen mit weiteren Unterversionen, die unter den verschiedensten missbrauchten Kulturbegriffen, Religionsnamen, Philosophien and Ismen verbreitet wurden: 1. Richtige: Ursachen and Stoffe mit ihren Gesetzmal3igkeiten sind in Existenz gekommen. In anderen Worten ist die Welt einschließlich der menschlichen Wahrnehmungsmöglichkeit and menschlicher Forschungs- bzw. Erkenntnismöglichkeit, die absichtliche Schöpfung des einzigen ewigen Gottes and ohne diese Schöpfung wurde nichts außer Gott existieren. Ursachen and Stoffe sind beide geschaffen worden. Also erscheint die Welt den Menschen nur insofern zufällig, als die menschliche Wahrnehmung nicht wahrnimmt. Diese Version der Realitätsdefinition war vom Beginn der Menschheit bis heute in lebender Form existent, ist jedoch selten zu finden. 2. Falsche: a) Die Ursachen sind ewig, jedoch seien die Stoffe and ihre Gesetzmäßigkeiten aus diesen ewigen Ursachen hervorgekommen. Die Wahrnehmung sei insofern ein geschichtliches Zufallsereignis. (Siehe Philosophiegeschichte) b) Die Ursachen and ihre Gesetzmäßigkeiten sind beide ewig bzw. durch eine unbekannte Komponente entstanden: Urknall, Energie, Natur usw. Es gäbe demnach keine Schöpfung Gottes, sondern Gott selbst sei ein projektives Naturereignis der menschlichen Psyche. Der Zufall nimmt einen beliebigen Raum ein. Dies ist der Grundirrtum der heutigen Euro-Kultur, die gleichzeitig durchaus in der Lage ist, verschiedenste Elemente von Traditionen als Techniken einer Bewusstseinserweiterung in verschiedene Institute (Bereiche) einzubauen and damit seltsame Geschaffte zu treiben = Energieaustausch; Zivilisation; Fortschritt, Freiheit; Gleichheit; Kunst; Medizin; Bildung; Erziehung and alle anderen Themen dieser Kultur. (Die so genannte wissenschaftliche Erkenntnistheorie.)
Absichten werden in der Praxis zumeist mit einer im Nachhinein gebastelten Definition verwechselt and deshalb erlebt der Mensch seine eigene Ohnmacht gegenüber dem Schicksal zumeist nur an auffallenden Ereignissen and er erfindet für seine Notphilosophie der falschen Versionen, pausenlos and blitzschnell, in ungeahnter Häufigkeit, Absichten bzw. Konzepte zu den bereits stattgefundenen Ereignissen, wobei er das Gefühl eines gewissen Erlebnisses immer wieder zu erfahren versucht. Dieser Komplex ist häufig eine routinemäßige Selbsttauschung bis zum Tod. Sobald diese Selbsttauschung jedoch erkannt wird, ist sie eine unbefriedigende Existenzbewältigung im Mantel schwer zu definierender Begriffe wie: Kultur, Wissenschaft, Religion, Kunst, Sprache, Arbeit, Sicherheit, Geschichte, Philosophie, Menschenrecht, Vaterland, Politik usw. Nach innerlicher Aufgabe der falschen Positionen dieser Begriffe beginnt die Suche nach Wegen zu einer echten Lebensqualität, welche als Information unlöschbar im Menschen gespeichert ist. Also auch eine Suche in sich selbst. Der jedoch schwer zu beseitigende Zustand dieser ständigen Selbsttauschung: "des im Nachhinein gebastelten Konzeptes" drangt sich mit Hartnackigkeit ständig in das Weltbild richtig geahnter oder erkannter Version (a) and läßt die gelebten, organisch tief verwurzelten Erscheinungsbilder dieser Selbsttäuschungsmanöver notgedrungen ein bestmögliches Gleichnis suchen, bevor diese Tauschungen aufhören and ein beruhigter Seelenzustand eintreten kann. Die Sehnsucht nach einer nahen Nahe zu einem vorexistenziellen Bewusstsein, welches die Absichten ungetrübt, zumindest für einen Moment, vor den Ereignissen fassen ließe, ist groß and unbewußt. Der Weg des Erlangens dieses Zustandes der reinen Absicht ist ein umfangreicher Handel innerhalb der Schöpfung Gottes und ist ausschließlich mit der richtigen Grundabsicht gewinnbringend und zum Ziel führend möglich.
Wissen des Herzens ist die Grundlage zur bewussten Absicht. Wer jedoch die Absicht zur Absicht des Herzwissens zur Überwindung der Tauschungen nicht (mehr) fassen kann, der hat mit der Kultur der Erkenntnis wenig zu tun and ist eher wie einer, der sich zum Tier entwickelt, denn die Absichten zu seinen Handlungen and deshalb auch die Handlungen selbst bleiben ihm vorläufig verschleiert. Absichten können nur dann (entsprechend gereinigt) gefasst werden, wenn die übliche Existenz-Angst durch Gottesfurcht ersetzt wurde.
Muhammad Abu Bakr Muller 7.8.1993 / 1414
Dokumnete zur Handelsskulptur
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Zeichnungen, Briefe, Notizen,
Texte, Rechnungen usf., welche die während meinen Reisen zwecks Entwicklung und Produktion der Handelsskulptur -
und später zwecks Präsentation entstanden sind. Die Bedeutung der Dokumente
hat sich nach der Realisierung
der Handelsskulptur zur der von Reliquien verwandelt und zur Verdeutlichung dieses
Umstandes habe ich die Blätter jeweils mit einer
Hauptbuchnummer registriert und oftmals
mit Durchreibungen
und anderen graphischen Elementen ihrer neue Bedeutung
intensiviert und in Mappen zusammengedfasst.
Nomade - Entwürfe zu erster Serie
Ein metaphysisches Gleichnis, vorrangig dargestellt mit handgeknüpften Teppichen. Ein
Teppichknoten als kleinste Handlungseinheit. Verknüpfungen von Erinnerungen
und
Verantwortungen wie im täglichen Leben. Jeder Knoten symbolisiert eine Handlung und die darin verborgen
liegende Absicht,
welche den Wert der Handlung definiert. Im erweiterten Sinn lässt
sich der Begriff Handelsskulptur auf alle anderen handelbaren Objekte als auch
Handlungen übertragen wie etwa mit den
.Kunstmetall
- Skulpturen. |
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