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Niederschrift Rettungskomplett / Basistunnel Herbst 1425 (2004)
Ein Projekt von Muhammad Müller 2 in Zusammenarbeit mit der Werkstaḍ Graz 3 und der Koroška galerija likovnih umetnosti Slovenj Gradec 4. Ein Unternehmen im Rahmen des EU Projekt A.C.R.E. 5 Einige Hinweise zum Basistunnel und auch in ihn hineinreichende Arbeiten, Objekte und Konzepte.
Beschreibung Der Basistunnel6 verläuft zwischen der Werkstaḍ Graz und der Galerie von Slovenij Gradec (Abb.: „werks.gelände“). Die Luftlinie zwischen Graz / Sporgasse 16 und Slovenij Gradec / Hauptplatz, beträgt laut digitaler Berechnung 67900 Meter. Der Querschnitt des Basistunnel ist so bemessen, dass ein Menschen einem anderen begegnen und ein Esel umdrehen kann. Der Zeitpunkt der Fertigstellung des physischen Basistunnel hängt von vielerlei Umständen ab und bleibt daher offen. Die sich an beiden Enden befindenden Kelleräume sind physischer Bestanḍeil des Basistunnel. Der noch von Erde und Gestein großteils freizulegende Basistunnel ist Sinnbild einer bereits geistig stark frequentierten, unterirdischen Verbindung. Angenommen, dass von beiden Seiten je ein(e) GräberIn in einem Monat einen Kubikmeter Material abgräbt, würden 5658 Jahre bis zur Fertigstellung des Basistunnel vergehen. Die Grabarbeiten sollen im Herbst 1425 (2004) von beiden Seiten begonnenen werden.
Konzept 7 Der Bau des Basistunnel verweist auf einen Zeitraum, welcher länger als die in Schulbüchern vermittelte Kulturgeschichte ist. Was am Anfang der Arbeit beabsichtigt bzw. konzipiert wird – das Ende, welches als Konzept vor den Anfang gesetzt wurde, wird vielleicht vergessen oder aus dem Kontext gerissen sein. Während die Grabarbeiten mit Schaufel und Hacke einige tausend Jahre andauern können, ist der Basistunnel bereits in umfangreicher geistiger Benützung.
GräberInnen8 Die beiden Enden des Tunnels bestehen aus einen Kellerraum in einem Kulturgebiet. Das Stein - und Erdreich wird, sobald sich jemand in diesen bereits existierenden Tunneleingängen befindet und das andere Ende geistig anstrebt, durch seinen von ihm ausgehenden Datenüberfluss, in Schwingung gebracht und aufgelockert. Zum weiteren physischen Graben, also von einem Kulturraum in den jeweils anderen, stehen Schaufel, Krampen und andere Werkzeuge zur Verfügung. Eine geistige und physische Einschulung für GräberInnen ist in Seminaren vorgesehen.
Eselzucht 9 Der Abtransport des losen Materials aus dem Basistunnel soll mit Hilfe von Eseln erleichtert werden. Eine Eselkarawane, welche durch die Gassen der jeweiligen Stäḍe in Richtung Hügelgrab bzw. Zwischenlager zieht, benötigt z.B. einen Tag und kehrt erst am nächsten Tag zurück. Es erscheint sinnvoll, dieses Transportunternehmen mit einer Eselzucht und einer Routenplanung einzuleiten. Die Wege von den Ausgängen des Basistunnel bis zum Hügelgrab sind Eselrouten und auf ihnen sind EseltreiberInnen zu treffen. EsletreiberIn kann wieder als Beruf gewählt werden.
Hügelgrab10 Das Aushubmaterial soll in Form eines 80m hohes Hügelgrabes, im Sinne eines Mahnmals für die Massenmorde an Muslimen in den vergangenen 5342 Jahren, an einem noch unbestimmten Ort aufgeschüttet werden. Die öffentliche Aufarbeitung dieser Geschichte, Versuch einer Wiedergutmachung und die geistige (nicht kulturelle) Auseinandersetzung mit dem Islam, sind unausweichlich geworden. In Europa haben diese Prozesse zumindest in Bezug zu jüngeren Ereignissen ganz minimalistisch begonnen. Diese Geschichte wird also langsam ausgegraben und als Mahnmahl aufgeschüttet. Es ist denkbar, dass solche Hügelgräber auch für Massenmorde an anderen Gruppen wie z.B. den Indianer Nordamerikas, Aborigines Australiens usw., anderswo errichtet werden, sofern nicht bereits Mahnmahle existieren, wie etwa für die Massenmorde an Juden usw.
Taxi 11 9. Juli 1424 (2004): Bambo Sane, welcher in einem Asylverfahren verwickelt ist, kann nicht von Graz nach Slovenje Gradec reisen ohne seine Asylrechte zu verlieren. Seine Kochaktivitäten werden deshalb aus dem Teranga Restaurant in die Galerie von Slovenij Gradec via Internet in die Kuhinja / Kitchen)12 projiziert. Damit das projizierte Essen in Gradec auch genießbar wird, beabsichtige ich - im Rahmen meiner Aktion „Taxi“ – das Essen in der Mobilbox als Taxifahrer zur Eröffnung der Ausstellung über den Radlpass zu führen. Die Taxifahrt ist Ersatz für den physischen Basistunnel und das Essen ist Ersatz für den Datenfluss im geistigen Basistunnel. In der Folge stehe ich nach Voranmeldung13 als Taxifahrer zwischen den Tunnelöffnungen und zum Ort des Hügelgrabes zur Verfügung.
Arbeitslos 14 Die Diskussion über das Thema "arbeitslos" und die amtlichen Vorschläge zur Abschaffung der sehr negativ dargestellten Arbeitslosigkeit sind bekannt. GräberInnen und das Arbeitsmarktservice haben die Möglichkeit sich im Basistunnel - Projekt einzubringen, und einen erweiterten Sinn ihrer Tätigkeiten zu finden. Die künstliche Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung wird gelindert, und das Arbeitsmarktservice wird im Bereich Kunstförderung tätig. Dieses Konzept kann heute zwar noch keinen breiten politischen Konsens finden, doch wäre es ein kleiner Anfang. Wenn 5000 Arbeitskräfte im Basistunnel gleichzeitig eingesetzt werden könnten, wäre der basis.tunnel - rein mathematisch gesehen - in zwei Jahren gegraben. Echte Kunst ist zuerst immer im Underground.
Werkzeug 15 Das benötigte Werkzeugset zum Graben des Tunnels wird als Skulptur (Auflage 49 Stück geplant) zur Verfügung gestellt. Der/die GräberInnen können diese Skulptur erwerben oder sich einen Sponsor suchen (z.B. Museum, Kunstsammler, Arbeitsamt) und dieser kann die Werkzeuge für die Dauer der Grabarbeiten zur Verfügung stellen, den (die) GräberIn entlohnen und so die Skulptur mit Arbeitszeit aufladen. Es hat vorläufig wenig Bedeutung, auf welche politischen oder physischen Widerstände die Grabung in den kommenden Jahrtausenden stoßen mag; entscheidend ist der geistige Strom, welcher durch die Tunnelskulptur dargestellt wird.
Absicht Die Absicht ist die kleinste und wertvollste Einheit, welche der Mensch vielleicht erst nach seinem Tod verantworten wird müssen. Resultate sind vorbestimmt und es ist unmöglich diese zu erzwingen. Jede Handlung hat eine Absicht und jede Absicht ist ein Projekt, auch wenn es nur ein Atemzug sei. Durch die Absicht den Basistunnel zu graben wird er zum Kunstwerk, denn ein Kunstwerk unterscheidet sich von anderen Werken durch die bewusste Betonung des Informationswertes gegenüber der rationalen Ausbeute. Die Überlagerung mehrerer Absichten (Projekte) kann einen Synergieeffekt im Informationswert haben. Die physische Arbeit im Basistunnel ist die Absicht für geistige Annäherung im Untergrund der darüber rumorenden Kulturtumulte.
1 Hauptbuch ist das mehrschichtige Werksverzeichnis von Muhammad Müller, durch welches u.a. auch die Echtheit eines Werkes nachgewiesen werden kann. Der Basistunnel hat z.B. die Nummer 7000 und dieses Dokument die Hauptbuchnummer 7001.
2 Muhhammad Mueller | Projektinitiator und Leiter
3 Werkstaḍ Graz | Sporgasse 16 | A-8010 Graz |tel: 0043 316 818306 57 | fax: 0043 316 818306 60 | email: werkstaḍ@mur.at | joachim baur | mobil: 0664 32 64 051 www.werkstḍ.at
4 Koroška galerija likovnih umetnosti Slovenj Gradec, Glavni trg 24, 2380 Slovenj Gradec, lovenija | t.+386.(0)2.88.22.131 |+386 (0)2 88 41 283 | fax:+386 (0)2 88 22 130 | e-mail: galerija@glu-sg.si http://www.glu-sg.si/ | open: tue - fri: from 9 a.m. to 6 p.m., sat - sun: from 9 a.m. to 12 a.m. and from p.m. to 6 p.m., mondays closed.
5 A.C.R.E. ein EU Projekt wobei folgende Institutionen zusammenarbeiten:
6 Begriffe, beziehen sich entweder auf einzelne Projekte oder Konzepte, welche nur im spezifischen Kontext ihrer Entstehung sinnvoll sein können; bei entstellter oder missbräuchlicher Verwendung, können Schäden verursacht werden. Teilweise handelt es sich bei © auch um Titel oder Rechte Dritter.
7 Konzepte werden irrtümlich als den Handlungen vorangestellt erlebt, doch sind sie vergangene Erlebnisse, welche im nachhinein den Aktionen täuschend vorangestellt werden; dadurch erhofft sich das strebende Selbst eine innere Beruhigung. Konzepte werden sozusagen über die Vergangenheit gestülpt. Niedrigere Seelenaspekte erleben sich schöpferisch, und erhöhen irrtümlich das Erlebte zum Konzept und begründen damit Handlungen. Konzepte sind vorgeburtlich gespeichert und ihre Entdeckung ist eine Serie von Aufarbeitungen.
8 GräberInnen sind “Arbeitslose”, welche als Nebeneffekt die Statistik des Arbeitsmarktes durch ihr Graben verbessern helfen. Es gibt zum Zeitpunkt dieser Niederschrift noch kein Abkommen mit dem Arbeitsmarktservice für Arbeitskräfte, welche die Finanzierung der GräberInnen zu eigenen Zwecken und zur Förderung der Kunst übernehmen.
9 Esel Projekt Nr. 7006 Dieses Projekt besteht aus der Eselzucht und den EseltreiberInnen. Gespräche für die Eselzucht haben schon stattgefunden; Zeitungsanzeigen und Anfragen für EseltreiberInnen beim Arbeitsmarktservice sind geplant.
10 Hügelgräber sind z.b. im Lechwald in Graz bekannt und reichen einige tausend Jahre zurück, wobei die Toten samt Beigaben mit einem Hügel bedeckt. Das Hügelgrab, welches durch die Erdmasse bei der Freilegung des Basistunnel insgesamt anfällt, hätte ein Volumen van 135 800 m3. Dies ergibt bei gleichmäßiger Aufschüttung einen Kegel mit einer Höhe von 80,348 Metern und einem Radius von 40,174 Metern bei einem angenommenen Winkel von 45°. Die Anhaltenden Bemühungen der Aufarbeitung vergangener Massenmorde an verschiedenen Gruppierungen enthalten u.a. auch die enormen Massaker an muslimischer Bevölkerung. Mit Wachsen des Hügelgrabes soll einerseits die Erfassung der Ermordeten, die Aufarbeitung und die unumgängliche Wiedergutmachung eingeleitet werden. Kunst ist kein Freiraum und war immer Religion und dies ist durch die Performance- und Actionkunst der letzten Jahrzehnte stark verdeutlicht, aber noch kaum erkannt worden. Der Islam ist - geistig betrachtet - längst die religiöse Kraft Europas, auch wenn dieses Erkenntnis vorrangig durch Wiederstand manifestiert wird und die Verwechslung des Islam mit Zuwanderungskultur, in den Untergrund zwingt. Offenkundiges wird zum Geheimen für die Unkundige.
11 Taxi Nr. 6843 taxi@mueller ist ein Projekt, welches die Arbeit des Taxifahrers transzendiert bzw. zur Kunst macht, wobei genau geachtet wird, dass sich prinzipiell nichts vom Normalfall unterscheidet: Kongruenz soll gegeben sein. Wieso sind dann nicht alle Taxifahrer Künstler? Ereignisse des täglichen Leben als Kunst wahrnehmen oder ausführen bzw. so auszuführen dass sie der Künstler in der Steigerung selbst nicht mehr als Kunst wahrnimmt, ist keine Angelegenheit die von heute auf morgen erlernt werden kann. Es geht um die Überwindung der eigenen Neigung zum versteckten Säkularismus, welcher eine Art Götzendienst ist. Im konkreten Showcase findet eine Taxifahrt von Graz nach Slovenij Gradec mit dem Essen in der MobilBox aus dem Teranga Restaurant statt und dies ist gleichzeitig das bewusste Zurückkommen (Nuzul), in eine säkular geprägte Bewusstseinswelt (Gesellschaft), nach dem Verlassen der eigenen Säkularität; der Informationswert einer Angelegenheit wird absichtlich wieder zur Kunst im Gewand des Taxifahrers erhoben. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Menschen ein und dasselbe Ereignis so berichten, als wären es Beobachtungen von unterschiedlichen Ereignissen; die Ähnlichkeiten beziehen sich meist auf Oberflächen wie z.B. „Taxi“.
12 Kuhinja / Kitchen | 9 July–30 September 2004 open: tue - fri: from 9 a.m. to 6 p.m., sat - sun: from 9 a.m. to 12 a.m. and from 3 p.m. to 6 p.m., mondays closed. This exhibition will commemorate the a major art event from the 1950s, which featured what was at the time an important innovation in the field of design, namely, the so-called Swedish kitchen. That show marked the beginnings of the operation of the gallery, which over time became one of the leading galleries in Slovenia, a status it continues to hold today. This summer, alongside an actual kitchen, there will also be displayed in the exhibition space many works by artists who deal with the theme of the kitchen, its homeyness, social role, or other related topics in various ways that accentuate its significance both in everyday life as well as in the development of Western civilization. The exhibition will encompass the works of some of our classic representatives of modernism as well as artists from the younger generation. Wide-ranging, too, in terms of its media and technologies, the exhibition will feature paintings, sculptures, videos, and installations. -- Artists whose work will be exhibited include Marij Pregelj, Zmago Lenárdič, Žiga Kariž, Naca Rojnik, Viktor Bernik, Franco Vecchiet, and Sašo Vrabič, as well as a number of other representatives of contemporary Slovene art.
13 Voranmeldung für Taxifahrten zu den Tunneleingängen:
14 beruflich.arbeitslos Ein umfangreiches Projekt, welches in seiner Thematik durch die „Basistunnel.gräberInnen“ eine erste Öffnung erhält. Die Umstrukturierung der gesellschaftspolitischen Auffassung über Arbeitslosigkeit und die Ausnützung dieser Situation zum allgemeinen Vorteil ist die Aufgabe des Projektes. Die Nieferschrift und Dokumentation zu diesem Thema ist in Ausarbeitung.
15 Werkzeug Hauptbuch | Parallel zum geistig bereits benützten Basistunnel soll dieser mit physischen Werkzeugen (Schaufeln, Hacken usw.) „nachgegraben“ werden; Die GräberInnen graben an der unfassbaren Grenze (Muta) zwischen Geist und Materie. Ein Werkzeugset (Auflage 49 Stück) wurde in Form einer Skulptur in Produktion gegeben. |