Gebrauchsanleitung 

Zur Lockerung mentaler Blockaden.

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Demokratisches.Theater© Uraufführung:1983 - Bhirasri Institute of Modern Art / Bangkok: Democratic.Theatre©  Das Symbol des Demokratischen Theaters ist die dreifache „Säkulaptur“: ein Besen, an dessen Stielende eine Schaufel steckt. Verwendete Personenbezeichnungen in dieser Gebrauchsanleitung sind geschlechtsneutral zu verstehen.  Copyright: 1977 -  jetzt.

 

Das Demokratische Theater dient zur Lockerung mentaler Blockaden der Spieler und gegebenenfalls auch der Zuseher, denn Publikum ist möglich, jedoch nicht nötig und nicht stimmberechtigt. Das Kartenset besteht aus 110 Aktionskarten. Ab drei Spielern das Demokratische Theater aufführt werden. Die Teilnehmerzahl hat keine Obergrenze. Im Falle von mehr als 109 Teilnehmern müssten weitere Aktionskarten hinzugefügt werden. Aufführungen unter zehn Spielern haben eher geringere Wirkung, während Aufführungen mit vielen Spielern aufwendiger zu organisieren sein können. Grundsätzlich sind so viele Spielkarten wie Spielende zu verwenden und diese müssen immer eine ungerade Anzahl sein, damit eine einfache Mehrheit abstimmen kann. Eine Vorbereitungszeit und ein Termin für die Aufführung kann notwendig sein, wenngleich ohne Bühnenbild auch spontan gespielt werden kann. Das demokratische Theater kann für die Schauspieler sehr anstrengend sein, insbesondere wenn die Spielzeit lange ist. Die Bühne kann ein Raum in einem Gebäude sein oder auch eine zu bestimmende Fläche im Freien. Lockere Kleidung ist empfohlen. Der Gebrauch eigner Kommunikationsgeräte ist weder für Schauspieler noch für ein eventuelles Publikum erlaubt, es dass eine Mehrheit die Benützung als Aktion festlegt. Jeder Teilnehmer bzw. Spieler oder Zuseher erklärt sich durch seine Anwesenheit mit den Spielregeln und Mehrheitsbeschlüssen der Schauspieler des Demokratischen Theaters einverstanden und übernimmt für alle ihn eventuell betreffenden Folgen volle Verantwortung und kann gegen niemanden irgendwelche Ansprüche stellen. Wer mit einer gewählten Aktion nicht einverstanden ist kann vor der Aufführung ausscheiden und eine Karte weniger wird verwendet. So ein Vorgang sollte aber eher vermieden werden. Die dargelegte Grundstruktur ist zur Durchführung des Demokratischen Theater Voraussetzung. Alle weiteren Abläufe und Details können im Sinn der Absichten bzw. Motive der Schauspieler beliebig geändert werden.


 

Aktionen / Rollen

Die Spieler stellen vorerst individuelle Aktionslisten zusammen indem sie ihre Aktionsbegriffe auf ein Papier in drei Spalten schreiben: Herz-, Hirn-, und Hand-Aktionen, womöglich so viele wie es Schauspieler gibt. So könnte Kartoffelschälen eine "Handaktion", einen Vortrag halten eine "Hirnaktion und Singen eine "Herzaktion" sein obwohl in jeder Handlung diese drei Seelenaspekte involviert sind. Diese individuellen Listen können spontan oder auch über Tage hinweg bis zu einem Termin erstellt werden. Jeder Teilnehmer erklärt den anderen was er sich unter seinen Aktionsbegriffen konkret vorstellt und welches Bühnenbild  für diese Aktionen vorzubereiten wäre. Die individuellen Listen werden werden vorerst in eine einzige Liste zusammengeführt, wobei identische Aktionen wegfallen. Von dieser Einheitsliste werden dann - mit einfacher Mehrheit -  die zu spielenden Aktionen entsprechend der Spieleranzahl ausgewählt. Je gleichmäßiger die Herz-, Hirn-, und Handaktionen aufgeteilt sind, desto tiefer können mentale Blockaden durch die Aufführung gelockert werden. Je mehr Spieler teilnehmen, je mehr Aktionswechsel und je länger die Spieldauer, desto stärker ist die Wirkung im Kontext der individuellen Spielqualität. Die beste individuelle Spielqualität ist dann erreicht, wenn der Spieler die Aktionen so ausführt, als wären sie die letzten Handlungen seines Lebens.

 

 

Bühnenbild

Die Schauspieler stimmen zuerst über den Ort der Aufführung, die Spieldauer als auch individuell notwendige Unterbrechungszeiten während der Aufführung ab; z.B. bei einer Spieldauer über drei Stunden werden 2 x 10 Minuten Unterbrechung vereinbart. Ein allgemeine Spielpause sollte vermieden werden. Die Bühne kann ein Raum sein oder eine zu definierende Fläche im Freien. Toilettemöglichkeiten müssen gegeben sein. Das Bühnenbild kann erst nach einer Abstimmung über die zu spielenden Aktionen gestaltet werden.  Es ist sinnvoll, anfangs einen Teilnehmer als Schreiber zu wählen. Es ist auch möglich, nur solche Aktionen auszuwählen, welche keinerlei oder fast kein Bühnenbild benötigen wie etwa "hupfen" usf. Andernfalls ist die Bühne aber entsprechend der gewählten Aktionen auszustatten (z.B. Kartoffel und Kartoffelschäler für die Aktion Kartoffelschälen). Bei längerer Spieldauer sollten Aktionskarten mit "Essen" und "Trinken" aktiviert werden und das Bühnebild wäre entsprechend mit Nahrung auszustatten, so dass diejenigen Schauspieler, welche gerade die "Essenaktion" zu spielen haben, auch tatsächlich essen können.

 

Beispiel einer Aktionsliste für 12 Spieler - keine Empfehlung.

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Leere Aktionsliste mit Spaltenvordruck

Aktivierung der Karten

Jede der ausgewählten Aktionsbegriffe ist möglichst groß und deutlich auf je eine Spielkarte zu schreiben, - Partneraktionen (wie etwa Ringkampf) sind aber auf zwei Karten zu schreiben und eine Karte ist dauerhaft mit "Diktator" zu kennzeichnen. Abhängig vom Schreibmaterial können die begriffe auf den Karten wieder gelöscht und mit anderen Aktionsbegriffen für eine weitere Aufführung beschrieben werden.

 

 

Aufführung

Publikum ist möglich, jedoch nicht nötig. Unmittelbar vor Beginn der Aufführung werden die mit aktivierten (beschriebenen) Karten zusammen mit der Diktatorkarte gemischt und alle aktivierten Karten werden nun an die Spieler verteilt, so dass jeder eine Karte hat und hat die Diktatorkarte. Damit die Karten während der Aufführung unter den Schauspielern schnell ausgetauscht werden können und beim Ausführen der Aktionen auch nicht verloren gehen, sollten sie mit einem Gummiband am Oberarm Spieler befestigt werden. Optional können sich die Spieler auch mit Tarnkappen (Stoff oder Papiersäcke mit Sicht-, und Atmungslöchern) über ihre Köpfe ziehen um sich anonymer zu fühlen, denn das kann von  Identitäten befreien und die Wirkung des Schpielens begünstigen. Der Diktator eröffnet mit einem Signal (z.B. Gong, Pfeife, Stimme) die Vorstellung worauf alle Spieler die auf ihrer Karte vermerkte Aktion so lange ausführen bis der Diktator - nach seinem Ermessen - das nächste Signal gibt und alle Spieler ihre Karten (bzw. Aktionen) mit einem Spieler in ihrer Nähe tauschen und sofort die neu Aktion auszuführen beginnen. Dieser Aktionstausch wird solange vom Diktator in kürzeren oder längeren Abständen befohlen, bis die anfangs vereinbarte Spieldauer erfüllt ist. Die Abstände können regelmäßig oder unregelmäßig, kurz oder lang sein, doch nicht kürzer als notwendig um etwas von der längsten Aktion auszuführen. Wenn die Aufführung länger wie eine Stunde vereinbart wurde, dann tauscht der Diktator - sofern nichts anderes vereinbart wurde - seine Diktatur mit der Aktion (Karte) eines anderen Schauspielers, welcher dann der neue Diktator ist. Bei Notwendigkeit kann der Schauspieler seine Aktion  individuell unterbrechen, doch wenn er länger unterbricht wie eine anfangs vereinbart, wird er zum Publikum und gibt seine Karte dem Diktator zur Verwahrung. Wenn ein Spieler seine Karte unbemerkt verliert, so wird er nach dem Diktatorsignal zum "Kartensucher" in dem er auf allen Vieren die Bühne solange absuchen muss, bis er seine Karte gefunden hat. Findet er die Karte aber nicht, so tauscht er beim nächsten Signal seine kartenlose Sucheraktion mit einem anderer Spieler usf.. Wer letztlich die Karte findet, spielet die Aktion dieser Karte. Gewinner des Kartenspieles sind diejenigen, deren mentale Blockaden gelockert wurden.

 

Wirkungsprinzip

Im Demokratischen Theater sind alle Handlungen (Aktionen) "echt", obwohl sie der Spieler sie zum gegeben Zeitpunktt vorerst gar nicht ausführen wollte, sondern nur beabsichtigte, den Befehlen des Diktators zu folgen. Wasser aus Durst zu trinken ist nicht gleich wie Wasser auf Befehl zu trinken. Die Aktionen, welche der Schauspieler spielt sind Teil seiner Lebenszeit und sollte er nicht denken, dass das, was er auf der Bühne spielt, ein Ausnahmezustand wäre welchen er nicht verantworten müsste. Tägliche Handlungen werden also in irrationaler Abfolge ausgeführt, unterbrochen, fortgesetzt, getauscht und wiederholt, wodurch die eigene Rationalität nicht mehr den gewohnten, in der Seele tief eingeprägten Mustern folgen kann. Die zum Ausführen einzelner Aktionen nötigen Verantwortungen sind in einen irrational erlebten Kontext gesetzt und dadurch werden mentale Blockaden gelockert. Schlechtes Spielen ist Vergeudung  und das kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Jeder Schauspieler sollte daher versuchen, alle Aktionen in der ihm bestmöglichen Qualität zu spielen, so, als ob er sie gerade selbst ausführen wollte. Jede Aktion könnte die letzte Handlung im Leben sein.

 

Nach erfolgreicher Anwendung ...

kann dir das Rettungskomplett weiter Wege öffnen.